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Die Maus steppt den Bolero WAZ Dorsten 19.2. 2008
Marienthal/ Nach zwei Stunden gab Armin Fischer vor vollem Saal ein leeres Versprechen: Die vom Publikum des vorletzten Marienthaler Winterabends per Zuruf gewünschten Titel "spiele ich Ihnen", so der befrackte Entertainer am Klavier, "jetzt alle gleichzeitig - und danach bin ich völlig fertig." Die WDR-Maus verrührte der Tastenvirtuose nahtlos mit Ravels "Bolero", da verspricht ein Armin Fischer nie zuviel. Aber völlig fertig? Im Leben nicht. Der Unermüdliche, der sein langjähriges Schicksal als Barpianist auf Kreuzfahrt-Schiffen zum Leid-Motiv des Abends erklärte, ...würde wohl bis zur totalen Erschöpfung seines Publikums spielen - wäre seine Kleinkunst nicht zugleich durch tadellose Manieren geadelt. In einer Brettl-Szene der berufs-empörten Wüteriche trägt Armin Fischer eben nicht nur die festlichste Berufskleidung.
Wenn dieser kultivierte Mensch überhaupt auf jemanden eindrischt, dann auf den schon fast vergessenen Richard Clayderman. Die pianistische Armut des Schwiegermütter-Lieblings gibt er mit grässlich versteifter rechter Hand zum Abschuss frei...
Das grandios verrührte Potpourri auf Publikumszuruf war dann ein weiteres Highlight im Programm. Hinreißend imaginierte der Solist an zwei Instrumenten die Komposition von "Take Five" zum enervierenden Hornissen-Sirren eines englischen Rasenkantenschneiders. "Bei Jazz aus der Lameng", erklärte sein im Sprechgesang vorgetragenes Poem des zweiten Zugabenblocks, "wird in schnöder Häufigkeit / öde die Geläufigkeit". Die Künstlervita - vom Wunderkind zum widerspenstigen Teenager zum Barpianisten - hatte er in herrlich verquere Verse gesetzt. Man darf gespannt sein, was der "KlaVirus" seines bereits in einer Exklusiv-Kostprobe präsentierten neuen Programms noch alles mit Armin Fischer anstellen wird. Die Angst des Saloon-Pianisten, rücklings erschossen zu werden, dürfte Armin Fischer kalt lassen: Er kann wirklich Klavier spielen.
Ralph Wilms |