Kreiszeitung Böblinger Bote / 11.02. 2011 Bei dieser Musik kippten die Frauen um Ein lustiger Liszt-Abend mit Armin Fischer, dem Kabarettisten und Preisträger der Böblinger Mechthild, im Theater Altes Amtsgericht Liszt wird 200 - das ist was für Armin Fischer: Denn der ist nicht nur Kabarettist, sondern auch Pianist, mit einer Schwäche fürs Improvisieren. Fischers brandneues Programm kreist deshalb kurzweilig um den größten Klaviervirtuosen aller Zeiten: "Lisztig vergriffen: Wow!" lautet es. BÖBLINGEN. Am Mittwochabend stellte er es im Theater Altes Amtsgericht zum allerersten Mal vor. Die Nachfrage nach dem Auftritt des Böblinger Comedy-Finalsiegers von 2004 im Alten Amtsgericht war derart groß, dass die beiden Termine am Mittwoch und Donnerstag schon Wochen zuvor komplett ausverkauft waren. Franz Liszt sah gut aus, spielte phantastisch Klavier und war der erste Showmann der Musikgeschichte. Liszts Spiel versetzte vorzugsweise die Damen in Ekstase, die einen warfen Schmuck statt Blumen auf die Bühne, die anderen kippten einfach um. Weil Fischer fürchtet oder hofft, dass das auch bei seinem Abend passieren könnte, hat er Riechsalz griffbereit. Nur für alle Fälle... Im Alten Amtsgericht fällt zwar keine Frau in Ohnmacht, aber die eine oder andere Fischer-Nummer ist umwerfend. Fischer bringt sein Publikum schon mit seinem Klavierspiel zum Lachen. In der zweiten Ungarischen Rhapsodie von Liszt, hört man plötzlich "Griechischer Wein" und "Pippi Langstrumpf". Etwas später ist Fischer bei Beethovens "Mondscheinsonate" gelandet, aus der er Überraschendes herausholt... Sein Programm ist nicht nur Kabarett und Klavierabend, sondern auch Musikunterricht, witzig natürlich und sehr anschaulich, denn es gibt Musikbeispiele. Man erfährt etwas über die Beziehung zwischen Chopin und Liszt, über die Freundschaft zwischen Liszt und Wagner. Auch auf das Verhältnis von Carl Czerny zu seinem Schüler Liszt geht Fischer ein: Czerny war der größte Klavierlehrer seiner Epoche. Nur Beethoven soll über Czerny gesagt haben: "Ich kann ihn nicht mehr hören". Ein einziges Klavierstück unterbricht Fischer nicht durch Gags, er spielt es von vorne bis hinten durch. "Jetzt mal ohne Quatsch", wie er ankündigt. Es ist der "Liebestraum" von Liszt, ein typisch romantisches Stück, mit einem poetischen Titel. Armin Fischer hat sich als junger Mann gefragt, wie man mit dem Klavierspiel junge Frauen erobert und verfiel auf den "Liebestraum". Die technischen Anforderungen schüchterten ihn etwas ein: "Bis ich das kann, sind die Frauen, die ich anbete, längst verheiratet", sagte er sich. Aber dann erlebte er eine Überraschung: "Ich hatte Glück. Bis ich das Stück konnte, waren sie wieder geschieden." Mit seinem neuen Programm erobert der Kabarettist wahrscheinlich nicht nur Frauen. Denn Fischers Spielfreude, verbal und musikalisch, ist enorm und lässt sich hier nur anzudeuten. Man muss ihn hören und sehen. Etwa die Schlussnummer, wenn der Kabarettist noch einmal auf Liszts Spuren wandelt: Liszt war ein großer Improvisator am Flügel, auf Titelvorschläge der Zuhörer ging er spontan ein und machte daraus grandiose Musik. Fischer versucht das auch: Er lässt sich aus dem Publikum Titel zurufen. Und über diese Titel improvisiert er, ziemlich verwegen, spielt die Themen sogar gleichzeitig, hektisch und heftig, in Liszt-Manier. Damit bringt Fischer das Publikum ganz zum Schluss nochmal zum Toben.
Jan Renz
|