Armin Fischer und "Mozarts Liebeskugeln"
Süddeutsche Zeitung, Würmtal SZ, 20.02.2006
GAUTING. Die Musikgeschichte ist eine wahre Fundgrube für Kabarettisten, zumindest wenn sie so begnadete Klaviervirtuosen sind, wie der "Flügelclown" Armin Fischer. Wer sonst würde sich Gedanken darüber machen, ob Schubert einst die Gräten bereits aus den Ohren quollen nach einer zu ausgiebigen Fischmahlzeit und er darum bei der "Forelle" dieses tatsächlich ein wenig an Aufstoßen erinnernde Motiv für die linke Hand niederschrieb? Oder war Johann Sebastian Bach gar besoffen, als er seine berühmte "Tokkata" komponierte? So, wie Armin Fischer die Situation am Flügel nachempfindet, mag es durchaus so gewesen sein. Und niemand hegt am Ende des Programms noch große Zweifel daran, daß Wolfgang Amadeus Mozart Songs für Neill Diamond komponierte, so nahtlos fügen sich bei Fischer E- und U-Musik aneinander.
"Mozarts Liebeskugeln", heißt das neueste Programm des Musikkabarettisten, mit dem er am Freitagabend im Gautinger "Bosco" gastierte, eine turbulente Mischung aus Konzert, Anekdoten und Tastenakrobatik im komödiantischen Sinne. Nun gibt es im Mozartjahr wahrlich genügend Konzerte, Vorträge, Bücher und Aufsätze rund um den großen Komponisten. So sympathisch respektlos aber wie Armin Fischer beschäftigt sich derzeit wohl kaum einer mit ihm.
Zunächst begleitet er Mozart auf dessen Reisen - "Auch ich bin im Laufe meiner Musikerlaufbahn viel herumgekommen: als Barpianist auf einem Kreuzfahrtschiff" - und berichtet von den musikalischen Eindrücken, die der junge Wolfgang Amadeus beispielsweise in London sammelte, wo er beim Klang der weltberühmten Glocken gleich den Namen des Komponisten wissen wollte - "Big Ben", behauptete, Fischer zufolge, Vater Leopold. Später sorgt er mit einer Art Melodika für Paris-Sound und lüftet am Ende des Programms ein bestgehütetes Geheimnis: Niemand hat gewusst, daß der große Wolfgang Amadeus, parallel zur Arbeit am "Requiem", eine Komposition niederschrieb, die später zur berühmtesten Melodie der Filmmusik werden sollte: "Spiel mir das Lied vom Tod".
Zwischen den Eckdaten von Mozarts Biographie schießt Fischer ein Feuerwerk an musikalischen Gags und Späßen ab, das keine Leerläufe kennt.
...Und mit seinen Demonstrationen der beliebten Variationen auf bekannte Lieder schaffte der Klaviervirtuose immer wieder den Sprung vom Volkslied zur Klassik und weiter bis zum Schlager.
Richtig brillant war seine eigene Variante dieses Musikersports: im zweiten Teil ließ er sich auf Zuruf sechs Musiktitel nennen und schuf dann aus der Rachearie der Königin der Nacht, aus "In diesen heil·gen Hallen", Chopins "Minutenwalzer", Mussorgskys "Großem Tor von Kiew", "Flipper" und dem "Rosaroten Panther" eine spontane Improvisation, die Beifallsstürme auslöste (vor allem, nachdem er sie am Ende des Programms noch einmal einem kleinen autobiographischen Schüttelreim unterlegte). Und was hat es nun mit Mozarts Liebeskugeln auf sich? Nun, die waren der Grund, daß Fischer sich als Knabe überhaupt auf das Klavierspiel einließ - aber das ist eine andere Geschichte.
Sabine Zaplin